Ausfall von Marco Reus – Wie reagiert der BVB?

Im DFB-Pokal Finale ereilte sich für BVB Fans die Schrecksekunde – Marco Reus (mal wieder) am Boden. Dass es für ihn nicht weiterging, wurde vielen schnell klar, doch der Siegesrausch als am Ende des Abends der Pokalsieg trotzdem gefeiert werden konnte, überdeckte wohl jeden weiteren Gedanken an die Schwere von Reus Verletzung. Im Nachhinein wurde aber klar, dass es sich sogar um einen Kreuzbandanriss handelt und der Spieler deshalb wohl bis zur Winterpause ausfällt. Dies ist eine Hiobsbotschaft für Reus, der mittlerweile zum Dortmunder Pechvogel geworden ist. So verpasste er in der Saison 16/17 nahezu die Hälfte aller Spiele aufgrund einer Schambeinentzündung und eines Muskelfaserrisses, jetzt der erneute Rückschlag. Nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für den Verein bedeutet dies nichts Gutes, denn wenn Reus auf dem Platz stand, gehörte er unangefochten zu den Leistungsträgern der Mannschaft und zu den Top-Spielern der gesamten Liga, umso schwerer wiegt jetzt dementsprechend sein Ausfall. Des Weiteren steht zur Zeit höchstwahrscheinlich auch noch der eventuelle Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang im Raum. In Verbindung mit dem Ausfall von Reus würde dies eine immense Schwächung des Dortmunder Umschaltspiels bedeuten, das eigentlich das Prunkstück der Borussen ist. Somit droht ein starker Verlust von Effektivität im letzten Drittel, was zum großen Problem werden könnte. Stellt sich nun die Frage, was oder wer die geeignete Lösung ist.

Quelle: Liquid Sports Media

Als besonders starker Flügelspieler hat sich Ousmane Dembélé letzte Saison hervorgetan. Seine Schnelligkeit, technische Stärke und seine Abgeklärtheit passen perfekt in das Profil eines Außenstürmers. Mit 6 Treffern und 13 Vorlagen hatte er enormen Anteil an den Offensivbemühungen des BVB, dabei schlüpfte er am häufigsten in die Reus Rolle (während dessen Abwesenheit) auf der linken Seite und wäre somit die logischste Option um diesen zu ersetzen. André Schürrle bietet sich als weiterer Kandidat aus dem bestehenden Dortmunder Kader an. Nach seinem Wechsel von Chelsea zu Wolfsburg und weiter zur Borussia, ist dieser seit geraumer Zeit nicht wieder richtig in Tritt gekommen und bleibt immer noch hinter den hohen Erwartungen zurück. Die momentane Konstellation wäre für ihn eine Chance sich endlich zu beweisen, als etatmäßiger Linksaußen, wäre er auf dem Papier sogar der nominelle Reus Ersatz. Laut Medienberichten sieht ihn Trainer Bosz jedoch eher in einer zentralen Rolle, ähnlich wie er sie damals bei Mainz bzw. Leverkusen inne hatte, hier würde Schürrles Stärke im Abschluss am besten zur Geltung kommen. Eine Neuverpflichtung könnte sich hier jedoch hervortun. Maximilian Philipp wurde mittlerweile schon für satte 20 Mio. € verpflichtet, eine Summe die gut investiert ist, hatte dieser doch maßgeblich dazu beigetragen, dass der SC Freiburg nach Wiederaufstieg direkt auf einem überraschenden siebten Platz landete und es damit über Umwege sogar in die Qualifikation für die Europa League geschafft hat. Philipp spielt zwar auch lieber mittig als hängende Spitze, doch wurde genauso auf den Außenbahnen eingesetzt. Zusätzlich bietet sich noch Christian Pulisic an. Der Amerikaner bekam unter Tuchel immer mehr Einsatzzeiten und als Marco Reus das Feld im DFB-Pokal verlassen musste, kam Pulisic für ihn ins Spiel. Zwar ist er eher als offensiver Mittelfeldspieler eingeplant, denn sein Profil entspricht nicht ganz dem eines Außenstürmers, jedoch erlaubt ihm seine quirlige Spielweise auch auf die Seiten auszuweichen. So hatte er im Finale auch den entscheidenden Elfmeter herausgeholt in klassischer Reus-Manier.

Aus diesen 4 Spielern eine Dreier-Reihe im Sturm zu bilden, wird die Aufgabe des neuen Trainers sein. Da alle ungefähr ähnliche Spielertypen sind, bietet sich hier ein höchstmaß an Flexibilität und Variabilität, sodass es gar nicht so sehr darauf ankommt Reus und Aubameyang de facto zu ersetzen, vielmehr könnten deren Aufgaben quasi auf mehrere Schultern umverteilt werden. Möglicherweise gibt es sogar die Option alle genannten Spieler auch zusammen auflaufen zu lassen, falls in der Mitte eher ein “vierter Stürmer” statt eines Spielmachers gewünscht werden sollte. Für die Dortmunder wird es enorm wichtig sein, eine ähnlich durchschlagskräftige Offensivformation zu bilden wie letzte Saison. Sobald Reus nach der Winterpause wieder genesen ist, würde man wahrscheinlich sogar noch stärker sein. Sein Ausfall könnte letztendlich sogar Fluch und Segen zugleich sein, gibt man der Mannschaft so die Möglichkeit andere Spieler in die Verantwortung zu nehmen. Genau diesen nächsten Schritt gilt es zu machen, wenn man nächste Saison einen ernsthafter Angriff auf die Bayern wagen möchte. Zur Zeit stehen die Chancen des BVB laut Buchmachern bei 6.00 (Betway, Stand 03.07.2017). Falls Peter Bosz seine Hand richtig spielt, könnte ein Titelgewinn aber sogar noch wahrscheinlicher werden, trotz oder besonders wegen der negativen Vorzeichen. Abschließend sollte man nämlich nicht vergessen, dass noch ein paar talentierte Nachwuchsspieler in den Startlöchern stehen. Emre Mor und Jacob Bruun Larsen sind mit 19 bzw. 18 Jahren die Zukunft der Borussia, beide sind Außenspieler und werden sich vielleicht in absehbarer Zeit als neue Flügelzange etablieren. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch etwas früh ihnen die volle Verantwortung aufzutragen, jedoch ergibt sich hier eine interessante Möglichkeit um wertvolle Erfahrung zu sammeln und dem Team situativ auszuhelfen. Der Kreativität von Peter Bosz sind also keine Grenzen gesetzt und es sollte sehr wohl machbar sein, den Ausfall von Reus zu überbrücken bzw. den möglichen Abgang von Aubameyang zu kompensieren. Es wird spannend sein zu beobachten, für welche Lösung er sich letztendlich entscheiden wird.

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